• Atomkraft - Laufzeiten


    Jahrzehntelang galt die Atomenergie in Deutschland als risikolose und sehr saubere Möglichkeit, die Energieversorgung für eine wachsende Industrie sicherzustellen. Die ersten Kernkraftwerke nahmen als Siedewasserreaktoren (SWR) bereits Anfang der Sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in der BRD den Betrieb auf. Zahlreiche weitere Siedewasserreaktoren (SWR) und später die verbesserten Druckwasserreaktoren (DWR) gingen anschließend in allen Teilen Deutschlands an das Netz. Auch die DDR errichtete in der Nähe von Lubmin Wasser-Wasser-Energie-Reaktoren WWER, die aber im Zuge der deutschen Einigung 1990 stillgelegt wurden.

    In der BRD gab es von Anfang an heftige Proteste gegen den Einsatz der Kernkraft, da die Risiken nicht abschätzbar waren. Auch ist bis heute nicht geklärt, wie die Abfallprodukte, ausgebrannte Kernelemente mit hoher Strahlkraft, so gelagert werden können, dass von ihnen keine Gefahr mehr ausgeht. Im Zuge von Protestbewegungen formierte sich sogar die Partei Die Grünen.

    Erst die Katastrophenmeldungen aus Japan um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima brachten auch die konservativen Kreise zum Umdenken. Hatte die Bundesregierung unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel noch im Herbst 2010 die Laufzeiten der AKWs, die die vorherige Regierung 2002 verkürzt hatte, bis 2033 verlängern wollen, wurde umgehend nach dem Unglück ein dreimonatiges Moratorium verhängt. In dieser Zeit wurden alle deutschen Atommeiler einer Sicherheitsüberprüfung unter neuen Gesichtspunkten unterzogen. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse beschloss die Koalition aus CDU, CSU und FDP im Juli 2011 eine stufenweise Abschaltung aller Kernkraftwerke in Deutschland bis zum Jahre 2022.

    2011 waren noch 17 der deutschen AKWs in Betrieb oder wegen Wartungs- und Reparaturarbeiten nur vorübergehend abgeschaltet worden. Während des Moratoriums wurden sieben Kraftwerke sofort heruntergefahren, ein weiteres war wegen Wartungsarbeiten zu dem Zeitpunkt nicht in Betrieb. Mit Erlass vom 31. Mai 2011 wurde eine endgültige Stilllegung dieser AKWs verfügt. Gegen diese Verfügungen und auch die allgemeine Verkürzung der Laufzeiten haben einige Stromversorger rechtliche Schritte eingeleitet oder angekündigt, da eine rechtliche Basis für die Anordnungen nicht gegeben sei. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind nur noch neun Reaktoren aktiv.



    2011 waren folgende Reaktoren in Betrieb bzw. kurzfristig heruntergefahren:

    1. KKB Brunsbüttel. Der 1977 in Betrieb genommene Siedewasserreaktor gehört zum Vattenfall / EON Konzern. Das als eines der störanfälligsten Atommeiler geltende AKW war bereits seit 2007 nicht mehr am Netz. 2011 wurde die endgültige Stilllegung beschlossen. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz wurden insgesamt 465 Störfälle gemeldet.

    2. KBR Brokdorf. 1986 wurde Brokdorf als Druckwasserreaktor in Betrieb genommen und gehört seit 2010 zu Vattenfall / EON. Die endgültige Stilllegung ist für 2020 vorgesehen. 212 Störfälle sind bisher gemeldet worden.

    3. KKU Unterweser. Der Druckwasserreaktor wurde 1978 in Betrieb genommen und gehört zu EON. Er wurde im März 2011 aufgrund des Moratoriums heruntergefahren. Die endgültige Stilllegung wurde im Mai 2011 beschlossen. Insgesamt wurden 341 Störfälle gemeldet.

    4. KKK Krümmel. 1984 wurde das von Vattenfall betriebene Werk ans Netz gebracht. Ab 2007 war es wegen mehrerer schwerwiegender technischer Probleme nicht in Betrieb. Aufgrund des Moratoriums und des endgültigen Stilllegungs-Beschlusses wurde es seitdem nicht wieder hochgefahren. Die Anzahl der gemeldeten Störfälle wird mit 322 angegeben.

    5. KWG Grohnde. Der seit 1985 von EON betriebene Druckwasserreaktor der dritten Generation gehört zu den sogenannten Vor-Konvoi Anlagen. Die Abschaltung ist für 2021 vorgesehen. Bisher sind 226 Störfälle gemeldet worden.

    6. KKE Emsland. Der Druckwasserreaktor wird von RWE betrieben und ist seit 1988 am Netz. Als Reaktor der vierten Generation zählt der Meiler zu den Konvoi-Anlagen und gilt als sehr sicher. Seine Abschaltung soll 2022 erfolgen. Die Zahl der bisher gemeldeten Störfälle liegt mit 121 recht niedrig.

    7. KWB-A Biblis A. Der Betrieb des von der RWE geführten Druckwasserreaktors wurde 1975 aufgenommen. Zusammen mit Block B gilt es als das zweitertragreichste deutsche Kernkraftwerk. Im März 2011 wurde verfügt, Block A herunterzufahren. Nach Ende des Moratoriums wurde das AKW nicht wieder ans Netz gebracht. Der Betreiber hat dagegen Klage eingereicht. Die Zahl der Störfälle beläuft sich auf zusammen mit Biblis B auf 423.

    8. KWB-B Biblis B. Der Druckwasserreaktor ist baugleich mit Block A und wird ebenfalls von RWE betrieben. Er ist seit 1977 am Netz. Bei Beginn des Moratoriums war dieser Block aus Wartungsgründen nicht am Netz. Genau wie Block A wurde auch Block B nicht wieder hochgefahren. Die endgültige Stilllegung beider Blöcke ist für 2011 festgelegt, vorbehaltlich des Einspruchs von RWE.

    9. KKG Grafenrheinfeld. Seit 1982 ist der Druckwasserreaktor unter Leitung von E.ON in Betrieb. Das Werk gehört zu den Vor-Konvoi Anlagen. Die Stilllegung ist für 2015 vorgesehen. Die Zahl der Störfälle beläuft sich auf 222.

    10. KKP-1 Philippsburg 1. Der Siedewasserreaktor ging 1979 ans Netz. Der Betreiber ist EnBW. Der Reaktor wurde im März 2011 heruntergefahren, die endgültige Stilllegung ist für 2011 beschlossen. 339 Störfälle wurden verzeichnet.

    11. KKP-2 Philippsburg 2. Der ebenfalls von EnBW betriebene Druckwasserreaktor ist seit 1984 am Netz. Die Vor-Konvoi-Anlage ist ein Reaktor der dritten Generation. Die Abschaltung ist für 2019 vorgesehen. Die Anzahl der bisher gemeldeten Störfälle beträgt 192.

    12. GKN-1 Neckarwestheim 1. Der Druckwasserreaktor, der 1976 ans Netz ging, wird von EnBW betrieben. Die Abschaltung erfolgte 2011 im Rahmen des Moratoriums. Eine Wiederaufnahme des Betriebs ist nicht vorgesehen. 427 Störfälle wurden für diesen Reaktor gemeldet.

    13. GKN-2 Neckarwestheim 2. Der von EnBW geführte Druckwasserreaktor wurde 1989 in Betrieb genommen. Die endgültige Stilllegung sonst 2022 erfolgen. 82 Störfälle sind bisher bekannt geworden.

    14. KKI-1 Isar 1. Der Siedewasserreaktor, der von E.ON betrieben wird, ging 1979 ans Netz. Im Rahmen des Moratoriums wurde er 2011 heruntergefahren. Die endgültige Stilllegung für 2011 ist beschlossen. Die Anzahl der Störfälle betrug 282.

    15. KKI-2 Isar 2. Die Anlage wird zum größten Teil von E.ON betrieben, einen weiteren Anteil hält die Stadt München. Der Druckwasserreaktor nahm 1988 den Betrieb auf. 2022 soll die endgültige Stilllegung erfolgen. Die Zahl der Störfälle beträgt bisher 72.

    16. KKB-B Grundremmingen B. und
    17. KKB-C Grundremmingen C. Beide Druckwasserreaktoren werden von RWE geleitet und sind seit 1984 und 1985 in Betrieb. Die Stilllegung ist für 2017 (Block B) und 2021 (Block C) vorgesehen. Die Anzahl der bisherigen Störfälle wird mit 205 für die beiden Meiler angegeben.
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